Bild der Woche

Heinrich Füssli Titania und der eselsköpfige Zettel um 1780-1790
Öl auf Leinwand, 216 x 274 cm, London, Tate Gallery

Der Schweizer Künstler Füssli interpretiert eine Szene aus Shakespeares Sommernachtstraum. Es handelt sich um den Elfenbeinkönig, der sich an seine Gattin, die Elfenbeinkönigin Titania, rächt. Der König teilt seinem Diener mit, ihr eine magische Substanz einer Wunderblume in die Augen zu tropfen. Dies solle bewirken, dass sie sich in das nächste Lebewesen verliebe: “sei’s Löwe, sei es Bär, Wolf oder Stier, ein naseweiser Aff’, ein Paviänchen”. Der als Opfer bestimmte geschwätzige Weber Zettel erhält als Zusatz einen Eselskopf, das der Diener zur Erhöhung des gemeinen Streiches ihm aufgesetzt hat.
Heinrich Füssli schafft aus diesem gemeinen Scherz eine Verdichtung einer traumhaften Welt. Gegensätze wie Schönheit und Hässlichkeit, Übermut und Angst werden erfinderisch neu in eine märchenhaften Traumwelt überaus harmonisch vereint. Titania wird wie eine Venus dargestellt, zu deren Füssen sitzt der eselsköpfige Zettel, der ironisch in der Hand ein Menschlein hält, der seine Macht demonstrativ zu beweisen versucht. Das Paar flankiert von wunderschönen wie grässlichst bizarren Gestalten formt in einem hell-dunkel Spiel der Gegensätze die kunstvolle Verwirrung der diversen Realitätsebenen und lässt Shakespeares Komödie in einer exzellenten visuellen Interpretation erscheinen.

Quelle:
Ingo F. Walther, Malerei der Welt, Band I, S.3
79.
Bild

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